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RIDGE 2 RIDGE - Vom Fußstein bis zum Badile

Autorenbild: Martin Sieberer
Martin Sieberer
25. Aug.
4 Min. Lesezeit

		Am Piz Badile. Foto: Mario Käppeli
Am Piz Badile. Foto: Mario Käppeli

Enchainments

Das Projekt "Ridge 2 Ridge" ist in den Grundzügen schnell & einfach erklärt: Es handelt sich um die Aneinanderreihung ("Enchainment") von alpinen Herausforderung, am Besten noch „by fair means, also alles aus eigener Muskelkraft und ohne Unterstützung. Diese Spielart des Alpinismus wird seit jeher praktiziert. Früher teilweise noch aus der Not heraus, heutzutage stellt sich der Alpinist bewusst den Herausforderungen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt und man kann seinen Körper auf die Probe stellen.

Die Strecke von Vals in Tirol bis Bondo im Bergell (273km).
Die Strecke von Vals in Tirol bis Bondo in Bergell (273km).

Der Plan

Mein Plan beinhaltete die Verbindung der zwei großen Nordkanten von Fußstein und Piz Badile. Den Weg dazwischen, also von Vals in Tirol bis Bondo im Engadin (273km), lege ich mit den Rennrad zurück. Insgesamt überwindet die Runde, startend von der Geraer Hütte in Vals und endend am Gipfel des Piz Badile, 6.700 Höhenmeter. Ich setzte mir als Richtzeit 24 Stunden, jedoch ohne Druck. Es hätten auch 30 Stunden werden können. Das Projekt war ursprünglich nicht als Solo-Projekt geplant. Julian Gahbauer wollte mich anfangs begleiten, hatte aber am kurzfristig ausgemachten Termin keine Zeit. So gut es geht soll alles ohne Unterstützung ablaufen, sprich ich trage mein Equipment selbst und kümmere mich selbst um die Nahrungszufuhr.

Am Nordgrat des Piz Badile.
Am Nordgrat des Piz Badile. Foto: Max Dräger

Ridge2ridge

Das Projekt plane ich bereits seit einiger Zeit und das Timing, wann ich wo bin spielt eine große Rolle. Die Nordkanten will ich am liebsten am Nachmittag klettern, da ich damit den Massen aus dem Weg gehe. Um der Hitze und dem Verkehr auszuweichen, ist das Radfahren eher für die Nacht geplant. Filmisch wird das Ganze festgehalten von Max Dräger und Mario Kaeppeli, welche mich am Berg bis knapp unterm Wandfuß begleiten. Außerdem fährt Max selbst mit dem Rennrad von Innsbruck bis Bondo mit.

Der formschöne Fußstein mit Kante im Licht-Schattenspiel.
Der formschöne Fußstein mit Kante im Licht-Schattenspiel. Foto: Max Dräger

Und somit starte ich um 13:00 von der Geraer Hütte in Richtung Fußstein Nordkante. Den Einstieg erreiche ich nach knapp einer Stunde und um kurz vor 15:00 stehe ich bereits am Gipfel. 3 Seilschaften konnte ich im Ausstieg noch überholen.

Solo in der Nordkante. Bild: Max Dräger
Solo in der Nordkante. Bild: Max Dräger

Der Abstieg ist wohlbekannt, bin ich die Kante ja bereits rund 10x geklettert zu allen Jahreszeiten. Aber auch wenn nicht, kann man der gefärbten Abstiegs-Piste kaum entrinnen und so stehe ich nach einer weiteren Stunde bereits zur Stärkung bei der Geraer Hütte. Mit dem Hüttenwirt Arthur schwelge ich in Erinnerungen vergangener Tage im Schrammacher und der Sagwand. Nach einer halben Stunde Rast muss ich leider weiter, denn die nächste Etappe gilt es zu bewältigen.

Am Gipfel vom Fußstein. Knapp 2h nach Start von der Geraer Hütte.
Am Gipfel vom Fußstein. Knapp 2h nach Start von der Geraer Hütte.

Nach dem Abstieg von der Geraer Hütte starte ich um ca. 18:00 vom Parkplatz Touristenrast in Vals in Richtung Innsbruck. Ab Innsbruck stößt dann Max dazu und wir bahnen uns unseren Weg über Landeck nach Prutz, wo eine 24h-Tankstelle als Labestation dient. Weiter geht’s über Pfunds nach Scuol im Engadin.

Aa der Labestation in Prutz.
Aa der Labestation in Prutz. Foto: Max Dräger

Mittlerweile sind wir die Einzigen auf den Straßen, was einerseits angenehm aber auch ein wenig befremdlich ist. Mit nur einer kurzen Pause fahren wir die ganze Nacht durch und erreichen über Sankt Moritz Malojapass kurz nach Sonnenaufgang unser Rad-Ziel Bondo.

Am Malojapass.
Am Malojapass. Foto Mario Käppeli

Um etwa 7:30 starten wir mittlerweile schon etwas gerädert den Aufstieg zur Capanna Sasc Furä. Durch den sanierten Aufstieg wieder direkt zu erreichen, durchqueren wir den Dschungel zur Hütte und staunen nicht schlecht, wie viel man schwitzen kann.

Piz Badile in seiner Pracht.
Piz Badile in seiner Pracht. Foto: Max Dräger

Mittlerweile ist es 9:00 und das angepeilte Ziel scheint zum Greifen nahe. Eine kurze Rast nach den Strapazen muss aber drin sein. Mittlerweile bin ich seit 20 Stunden ich unterwegs.Um 10:30 steige ich in die Nordkante ein. Bereits beim ersten Griff auf den bombastischen Fels ist die Müdigkeit wie weggeblasen. Langsam aber sicher steige ich in perfektem Granit höher und kann jeden Meter genießen.

Solo am Badile. Foto: Max Dräger
Solo am Badile. Foto: Max Dräger

Ohne Stress erreiche ich um kurz nach Mittag nach genau 23 Stunden und 23 Minuten den Gipfel des Piz Badile. Auch wenn Samstag ist, sind zum Glück nicht allzu viele Menschen unterwegs und ich kann das Gipfelglück alleine am Piz Badile genießen.

Am Piz Badile nach 23h 23min. Gar nicht mal so müde.
Am Piz Badile nach 23h 23min. Gar nicht mal so müde.

Ein Großteil der Anspannung fällt ab und dennoch muss ich mich für den Abstieg noch voll konzentrieren. Insgesamt bin ich seit über 30 Stunden wach und südseitig des Piz Badile grillt mich die Sonne. Nach Ende der Kletterschwierigkeiten ist der weitere Abstieg nach Italien nur noch reine Formsache. Mehr im Halbschlaf erreiche ich „Bagni del Masino“, wo mich Mario und meine Freundin Sabine abholen und wir uns die nächstbeste Pizzeria suchen.

Jetzt aber müde.
Jetzt aber! Foto: Sabine Schipflinger

Hard Facts "Ridge 2 Ridge":

Zu Fuß: 3800hm, davon rund 1300hm klettern

Bike: 2900hm und 273km

Equipment: Rennrad, Radschuhe, Ketterpatschen, Chalkbag, Helm


Fazit und so:

Jetzt nach gut 10 Tagen Erholung schreibe ich diese Zeilen. Es kommt mir vor als wäre es schon wieder Monate her. Es ist erstaunlich, was der Körper leisten kann und was dementsprechend die Willenskraft und die Motivation ausmachen. Wie schon erwähnt, begleitet mich dieses Projekt schon seit gut 2 Jahren. Letztes Jahr scheiterte es am geeigneten Termin. Heuer wurde auch bereits 2x verschoben und die Sterne standen erneut eher schlecht, da der letzte geeignete Termin eingebettet war zwischen beruflichen Verpflichtungen.

Mit hoher Motivation und wenig Erwartungen startete ich "Ridge2Ridge" und konnte mich auch voll auf das Projekt konzentrieren. Max und Mario waren stille Begleiter, die mich machen ließen und auch mit Freude an der Sache professionell ihre Arbeit verrichteten. Ein erneuter Dank geht an euch beide!!

Natürlich gehört gesagt, dass ich keinem rate, diese Touren auf die leichte Schulter zu nehmen. Auch wenn in keinem Moment zweifelte oder Unsicherheit verspürte, abgesehen von der Nervosität kurz vor Startschuss, handelt es sich um anspruchsvolle Klettertouren im V. Schwierigkeitsgrad. Ein Fehltritt oder ein Moment der Unachtsamkeit hätte fatale Folgen.

Für mich ist "Ridge2Ridge" ein Herzensprojekt und ich bereite mich intensiv für solche Abenteuer vor.

Im Grunde dreht sich in meinem Alltag alles um Klettern und Alpinismus und da ich die Touren im Vorhinein schon Zig-Mal mental durchklettert bin, gehen sie am Tag X dann recht einfach von der Hand.

Trotzdem gehört das Klettern ohne Seil zu einem Spezialgebiet und darf keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden.


Alleine am Badile. Foto: Mario Käppeli
Alleine am Badile. Foto: Mario Käppeli





Essentials: Crew ohne Mario, von dem das Foto ist.
Essentials: Crew ohne Mario, von dem das Foto ist.



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